Das Land Hessen fördert den Aufbau eines Kompetenzzentrums für die Rehabilitation von Wildtieren. Die deutschlandweit erste Einrichtung dieser Art entsteht an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Bis Ende 2029 hat das Landwirtschafts- und Umweltministerium dafür insgesamt 420.000 Euro vorgesehen. Das Zentrum wird durch den renommierten Veterinärmediziner Prof. Dr. Michael Lierz an der JLU geleitet. Er leitet dort die Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische und gilt als einer der weltweit führenden Experten für Wildtier- und Greifvogelmedizin.
Landwirtschafts- und Umweltminister Ingmar Jung erklärt: „Mit dem neuen landesweiten Beratungszentrum wird die Versorgung und Wiederauswilderung verletzter, kranker oder hilfsbedürftiger Wildtiere in Hessen verbessert. Die Zusammenarbeit zwischen Wildtierstationen, Tierärzten, Behörden und Forschungseinrichtungen wird dadurch gestärkt und eine hessenweite Beratung bezüglich der medizinischen Versorgung und Rehabilitation von Wildtieren eingerichtet - ein einzigartiges Vorzeigeprojekt im Natur- und Tierschutz.“
Schulungen, Aus- und Weiterbildung
Die Experten arbeiten zudem an einheitlichen Empfehlungen für die medizinische Versorgung und Rehabilitation solcher Tiere und organisieren Schulungen und Weiterbildungen für Wildtierauffangstationen und betreuende Tierärzte. Auch die Ausbildung von Studierenden der Veterinärmedizin in der Versorgung von Wildtieren wird verbessert. Ferner soll das Gießener Zentrum auch die praxisorientierte Forschung bei der Versorgung und Rehabilitation von Wildtieren koordinieren. Michael Lierz erklärt: „Wichtig ist uns bei diesem außergewöhnlichen Vorhaben, die vielen ehrenamtlichen Wildtierstationen und Helfer mit einzubinden und auch deren Erfahrungen einfließen zu lassen, denn ohne das Ehrenamt wäre die Wildtierrehabilitation in Hessen nicht zu leisten.“ Das Kompetenzzentrum ist somit als Ergänzung und Multiplikator für innovative Wildtierrehabilitation konzipiert.
In das neue Kompetenzzentrum fließen die Erfahrungen aus einem Pilotprojekt zur Versorgung von Wildtieren ein, das seit 2024 an der JLU läuft. Nach Angaben der Universität werden dort inzwischen fast 3.000 Wildtiere pro Jahr behandelt – mit steigender Tendenz. Das Pilotprojekt soll Ende 2026 auslaufen und geht jetzt nahtlos in das vom Land geförderte Kompetenzzentrum für Wildtierrehabilitation über.